Schrauben aus Kunststoffen: Beständig, isolierend, leicht

Schraubenverbindungen zählen in der Verbindungstechnik zu den wichtigsten lösbaren Verbindungselementen. Sie lassen sich ohne Beschädigung montieren, lösen und wiederverwenden. Eine Schraubverbindung setzt sich aus einer Schraube oder einem Gewindebolzen und einer Mutter zusammen. Die Schraube selbst besteht aus einem zylindrischen oder konischen Stift oder Bolzen, der mit einem Gewinde versehen ist, und einem Schraubenkopf. Sie werden gemäß den entsprechenden DIN-Normen für Schrauben hergestellt.

Als Schraubenmaterial werden hauptsächlich Metalle verwendet, doch Schrauben aus Kunststoffen gewinnen zunehmend an Bedeutung. Auch Kombinationen, etwa Metallschrauben mit Kunststoffkopf, werden angeboten und erweitern das Spektrum.

Vorteile von Kunststoffschrauben

Kunststoffschrauben besitzen eine geringere Dichte als Metallschrauben. Dies ist ein entscheidender Vorteil bei Anwendungen, bei denen eine Gewichtsreduzierung gefordert wird, etwa in der Automobilindustrie oder der Luft- und Raumfahrt.

Kunststoffschrauben sind im Vergleich zu Metallschrauben leichter, feuchtigkeits- und chemikalienbeständiger sowie geräusch- und vibrationsdämmend. Zudem lassen sie sich in verschiedenen Farben einfärben. Von Vorteil ist auch, dass Kunststoffe elektrische Isolatoren sind, was sie für den Einsatz in der Elektro- und Elektronikindustrie prädestiniert.

Schrauben aus Kunststoff können kostengünstig und in großer Stückzahl im Spritzgussverfahren hergestellt werden. Das meiste hierbei verwendete Schraubenmaterial lässt sich zudem recyceln.

Arten von Schraubenköpfen

Die Kopfformen von Schrauben werden primär nach ihrer Außenkontur unterschieden, wobei die häufigsten Formen rund oder sechseckig sind. Runde Köpfe finden sich bei Zylinderschrauben, ihre Höhe variiert je nach Norm. Der Antrieb bei dieser Schraubenform ist innenliegend. Die Oberfläche von Zylinderschrauben kann eben, halbkugelig oder linsenförmig sein, der Rand zylindrisch oder kegelig. Eine Schraube mit halbrunder Kopfform, zylindrischem Rand und flacher Unterseite wird als Flachkopfschraube oder Panhead-Schraube bezeichnet.

Flachkopfschraube (DIN 85) aus PA - mit Schlitz Sechskantschraube (DIN 933) aus PA

Dagegen weist eine Senkkopfschraube eine runde Außenkontur auf, deren Unterseite kegelig zuläuft. Linsenkopfschrauben kombinieren einen runden Kopf mit einer leicht gewölbten Oberfläche und einer flachen Unterseite. Schrauben mit sechseckiger Außenkontur heißen Sechskantschrauben. Hier dient der Schraubenkopf gleichzeitig als Außenantrieb.

Zu den handbetätigten Kunststoffschrauben zählen Flügelschrauben, Dreieckschrauben, Kreuzgriffschrauben und Rändelschrauben. Sie werden dort verwendet, wo nur geringe Kräfte erforderlich sind. Flügelschrauben besitzen eine mit zwei gegenüberliegenden runden oder eckigen Flügeln versehene Kopfform. Der Kopf von Dreieckschrauben besteht aus drei Flügeln in einem Winkel von 120°, der von Kreuzgriffschrauben aus vier Flügeln in 90°-Anordnung. Rändelschrauben besitzen einen zylindrischen Kopf mit umlaufender Rändelkante.

Rändelkopfschraube aus PA - mit Schlitz Gewindestift (DIN 913) aus PA - mit Innensechskant

Eine weiterer Schraubentyp ist der Gewindestift, auch Madenschraube genannt, in Österreich Wurmschraube. Er besitzt keinen Schraubenkopf, der Antrieb sitzt direkt im Schraubenschaft. Dadurch kann der Gewindestift wie eine Made im Material verschwinden. Madenschrauben dienen vor allem dazu, Bauteile zu verbinden, ohne dass ein Schraubenkopf übersteht.

Antriebsarten bei Schrauben

Schrauben unterscheiden sich nicht nur durch ihre Kopfform, sondern auch durch ihren Antrieb. Der Schraubenantrieb kann innen- oder außenliegend sein. Zu den gängigsten Antriebsarten von Kunststoffschrauben zählen Schlitz, Außensechskant, Kreuzschlitz, Innensechskant und Innensechsrund.

Der Schlitzantrieb ist die älteste und wohl bekannteste Antriebsart. Bei diesem Schraubentyp ist die Kraftübertragung meist gering, weshalb weitere Schraubenantriebe entwickelt wurden. Um ein Abrutschen des Werkzeugs und das Beschädigen von Kunststoffschrauben zu vermeiden, sollten die Breite des Schlitzes und des Schraubendrehers aufeinander abgestimmt sein.

Mit Sechskantschrauben können hohe Drehmomente übertragen werden, sie benötigen durch den außenliegenden Schraubenantrieb jedoch mehr Platz für Schraubenschlüssel oder Stecknüsse als Schrauben mit innenliegendem Antrieb.

Die Kreuzschlitzschraube wurde in den 1930er-Jahren von dem Amerikaner John P. Thompson (1857 – 1940) erfunden. Sie besitzt zwei orthogonale Schlitze auf der Oberseite. Die Flanken des Kreuzschlitzes vertiefen sich kegelförmig. Bei diesem Antrieb zentriert sich das Werkzeug im Schraubenkopf selbstständig. Der US-Geschäftsmann Henry F. Phillips (1889 – 1958) erwarb die Patente und entwickelte die Phillips®-Schraube. General Motors verwendete Phillips®-Schrauben ab 1937 beim Bau von Cadillacs. Abgekürzt werden sie PH-Schrauben genannt. Der Vorteil dieses Schraubentyps ist die optimierte Kraftübertragung und Selbstzentrierung.

Schematische Darstellung verschiedener Schraubenformen und Antriebsarten
Schematische Darstellung verschiedener Schraubenformen und Antriebsarten

Weitere innenliegende Antriebe sind Innensechskant und Innensechsrund. Sie ermöglichen in der Verbindungstechnik eine kompakte Bauweise und eine Montage auch bei engen Platzverhältnissen. Innensechskantschrauben, umgangssprachlich Inbusschrauben genannt, besitzen ein hexagonales Profil im Schraubenkopf. Der Name „Inbus“ ist eine Abkürzung und geht auf die deutsche Firma „Innensechskant Bauer und Schaurte“ zurück, die diesen Schraubenantrieb erstmals hergestellt hat. Mit Innensechskantschrauben werden höhere Drehmomente übertragen als mit anderen Schraubenarten. Sie können deshalb fester angezogen werden.

Innensechsrundschrauben, auch als Torx®-Schrauben bezeichnet, verfügen über einen sternförmigen Antrieb mit sechs abgerundeten Flanken. Dieser spezielle Antrieb, auch 6-Lobe genannt, ermöglicht eine besonders hohe Kraftübertragung beim Schrauben, reduziert den Verschleiß am Werkzeug und minimiert das Risiko des Überdrehens. Torx®-Schrauben zählen in der Verbindungstechnik zu den zuverlässigsten Verbindungselementen in technischen und industriellen Anwendungen.

Aus welchem Material bestehen Kunststoffschrauben

Standardmäßig werden Verbindungselemente aus Kunststoff aus Polyamid (PA), besser bekannt unter dem Namen Nylon, gefertigt. Kunststoffschrauben aus PA sind korrosionsbeständig, besitzen gute isolierende Eigenschaften sowie eine hohe Zugfestigkeit und sind in einem Temperaturbereich von -30 °C bis +100 °C nutzbar.

Weitere Kunststoffe für die Schraubenfertigung sind Polypropylen (PP), Polycarbonat (PC), Polyetheretherketon (PEEK), Polyoxymethylen (POM), Polyvinylidenfluorid (PVDF) und Polytetrafluorethylen (PTFE).

Schrauben aus Polypropylen (PP)

Polypropylen ist beständig gegen Korrosion, Abrieb und die meisten Chemikalien, schweißbar, sterilisierbar, besonders schlag- und kerbschlagzäh und verfügt über eine hohe Oberflächenhärte. Es kann bis +100 °C eingesetzt werden, jedoch nicht nahe dem Gefrierpunkt, da es sonst versprödet.

Verbindungselemente aus Polycarbonat (PC)

Verbindungselemente aus dem Kunststoff PC sind glasklar und eigenen sich für optische Anwendungen, die eine hohe Festigkeit und Härte erfordern. PC ist physiologisch unbedenklich und sterilisierbar und damit ideal für den Einsatz in der Lebensmittelindustrie und Medizintechnik. Sein Anwendungsbereich liegt zwischen -100 °C und +135 °C.

Kunststoffschrauben aus Polyoxymethylen (POM)

POM-Schrauben besitzen eine hervorragende mechanische Festigkeit, einen niedrigen Reibungskoeffizienten, eine hohe Zähigkeit und Abriebfestigkeit. Sie können bei Temperaturen von -50 C° bis +100 °C verwendet werden.

Hochleistungskunststoffe

Kunststoffschrauben aus dem Hochleistungskunststoff PEEK zeichnen sich durch eine hervorragende Festigkeit, Steifigkeit und Härte, eine gute Schlagzähigkeit und beste Verschleißfestigkeit aus. Zudem sind sie äußerst strahlungsbeständig, flammwidrig und können in einem Temperaturbereich von -65 °C bis +180 °C (Dauergebrauchstemperatur) eingesetzt werden.

Zylinderschraube aus PEEK - mit Innensechskant  Senkkopfschraube (DIN 963) aus PTFE - mit Schlitz

Kunststoffschrauben aus PTFE verfügen über eine ausgezeichnete Chemikalienbeständigkeit, einen hervorragenden Gleitreibungskoeffizienten und antiadhäsive Eigenschaften. Sie sind sterilisierbar und können in einem Temperaturbereich von -200 °C bis +260 °C eingesetzt werden. Die hervorragenden Eigenschaften dieser Verbindungselemente machen sich allerdings im Preis bemerkbar.

PVDF bietet im Vergleich zu anderen Fluorpolymeren eine höhere Festigkeit, Steifigkeit und Kriechfestigkeit sowie eine gute Beständigkeit gegen energiereiche Strahlung, jedoch ein geringeres Gleit- und elektrisches Isolierverhalten. Zudem ist es flammwidrig und physiologisch unbedenklich einsetzbar. PVDF-Schrauben lassen sich in einem Temperaturbereich von -60 °C bis +150 °C anwenden. Um die Festigkeit weiter zu erhöhen, können diese Kunststoffe mit Füllstoffen wie Glas- oder Kohlenstofffasern verstärkt werden.

Festigkeitsklassen von Schrauben

Festigkeitsklassen definieren die mechanischen Eigenschaften von Schrauben und Muttern. Dargestellt werden Festigkeitsklassen von Schrauben durch zwei Ziffern, die durch einen Punkt getrennt sind (etwa 8.8 oder 10.9). Die erste Ziffer, multipliziert mit dem Faktor 100, steht für die Zugfestigkeit Rm, die der maximalen Spannung entspricht, die ein Werkstoff vor dem Reißen aushalten kann. Das Produkt der beiden Ziffern, multipliziert mit dem Faktor 10, ergibt wiederum die untere Streck- oder Dehngrenze.

Rändelmutter aus PA-glasfaserverstärkt - mit grober Rändelung Sechskantmutter (DIN 934) aus PA

Festigkeitsklassen werden ausschließlich für Metallschrauben angegeben. Die mechanischen Eigenschaften von Kunststoffschrauben hängen stark vom Schraubenmaterial und der Fertigungsmethode ab. Deshalb geben Anbieter von Kunststoffschrauben keine Festigkeitsklassen an, sondern einzelne Werte für die mechanischen Eigenschaften, wie zum Beispiel die Zugfestigkeit einer Schraube.

Durch Kombination der verschiedenen Arten von Schraubenköpfen und Antriebsarten sowie des Materials sind Kunststoffschrauben in zahlreichen Ausführungen erhältlich. Ihre spezifischen Vorteile machen Kunststoffschrauben in vielen Anwendungsbereichen zu bevorzugten Befestigungselementen.

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Schraubenformen und Antriebsarten (schematische Darstellung)  | © New World – stock.adobe.com

Über Reichelt Chemietechnik

Die Produktpalette von RCT Reichelt Chemietechnik umfasst über 80.000 verschiedene Produkte, die unter anderem im Maschinenbau, in der Chemietechnik, der Verfahrenstechnik und der Medizintechnik eingesetzt werden. Das Motto des Heidelberger Unternehmens lautet „Vertrieb von Kleinmengen“ - das bedeutet, dass alle Produkte in kleinen Mengen oder Längeneinheiten bestellt werden können. Dazu gehören auch Nischenprodukte, wie z.B. spezielle Schlauchverbinder oder Schläuche mit ungewöhnlichen Abmessungen, die normalerweise nicht in kleinen Losgrößen auf dem Markt erhältlich sind.