Industrieklebebänder – Welches Klebeband für welchen Zweck?

Industrieklebebänder zeichnen sich durch eine sofortige Klebewirkung aus. Je nach Anwendung ermöglichen sie eine hochfeste, dauerhafte Verbindung oder lassen sich rückstandslos wieder abziehen. Wird ein Bauteil einfach aufgeklebt, kann auf Bohrlöcher, Verschraubungen oder Clips verzichtet werden. Neben der Verbindung von Bauteilen werden Industrieklebebänder zum Schutz von elektronischen Geräten, zur Isolierung und Bündelung von Kabeln oder als Barriere gegenüber Feuchtigkeit und Schmutz eingesetzt.

Bestandteile von Industrieklebebändern

Die wichtigsten Bestandteile von Selbstklebebändern sind das Trägermaterial, ein Haftvermittler und der Klebstoff. Das Band wird auf einen Rollenkern aufgewickelt und mit einer Trennlackierung behandelt, damit es sich beim Abrollen von der unterliegenden Schicht lösen lässt.

Der Rollenkern besteht aus einer Kartonhülse, die spiralförmig gewickelt ist, oder aus Kunststoff. Ein Rollenkern aus Kunststoff erlaubt das vollständige Abrollen des Klebebandes, während bei einem Rollenkern aus Karton die letzte Wicklung auf dem Karton kleben bleibt. Der Durchmesser des Rollenkerns kann variieren und liegt üblicherweise zwischen 1 bis 3 Zoll.

Die Trennlackierung, das Trägermaterial, der Haftvermittler und der Klebstoff werden aufeinander abgestimmt, je nachdem wie schnell, lange oder fest die Klebverbindung halten soll. Die Trennlackierung sorgt dafür, dass sich das Klebeband beim Abrollen von der unterliegenden Schicht ablösen lässt und verhindert das Zusammenkleben des Bandes.

Handelsübliches Gewebe-Klebeband, auch als "Duck Tape" bekannt
Handelsübliches Gewebe-Klebeband, auch als „Duck Tape“ bekannt

Die Wahl des Trägermaterials bestimmt die Reißfestigkeit und Flexibilität. Der Haftvermittler dient dem Haften des Klebemittels auf dem Trägermaterial. Durch die Auswahl des Klebemittels werden Eigenschaften wie Klebkraft, Soforthaftung oder Haltbarkeit beeinflusst. Bei doppelseitigem Klebeband sind beide Seiten des Trägermaterials mit Klebstoff beschichtet.

Welche Trägermaterialien werden für Industrieklebebänder verwendet?

Industrieklebebänder werden in verschiedenen Ausführungen gefertigt. Je nach Anwendung kann ein wenige Mikrometer dünnes oder mehrere Millimeter dickes band benötigt werden. Sie können transparent, eingefärbt oder reflektierend ausfallen und bestimmten Kräften standhalten oder bei definierten Kräften brechen.

Als Materialien werden Kunststofffolien, Vliese, Gewebe, Papier, Metalle oder (Kunststoff-)Schäume verwendet.

Klebebänder aus Kunststoffen

Klebebänder aus Kunststoffen werden aus vielen verschiedenen Polymeren gefertigt. Kunststofffolien wie Polyethylen (PE), Polypropylen (PP), Polyethylenterephthalat (PET), Polyvinylchlorid (PVC) und Polyimid (PI) zeichnen sich durch eine hohe Reißfestigkeit aus. Industrieklebebänder mit PET-Trägerfolien sind zusätzlich thermisch leitend und UV-stabil. PVC-Folien sind schwer entflammbar und strapazierfähig und lassen sich bedrucken und stanzen. PI-Klebebänder können bei Temperaturen bis +260 °C eingesetzt werden.

Gleitklebeband aus PTFE - High-Temperature Gleitklebeband aus UHMW-PE

Schaumklebebänder aus PE-, PU-Schaum oder Silikonkautschuk sind weich, dicker und flexibler als andere Trägermaterialien. Sie eignen sich als Montageband für unebene und raue Oberflächen und sind isolierend sowie dämpfend.

Bänder aus Geweben und Keramik

Gewebeklebebänder aus Baumwolle und Viskose lassen von Hand leicht einreißen. Vliesklebebänder eignen sich für raue Oberflächen und dämpfen Vibrationen und Geräusche. Papier-Trägermaterialien können je nach Herstellung glatt oder gekreppt sein, lassen sich von Hand einreißen und bis zu 50 Prozent dehnen, sind saugfähig und bis +180 °C thermisch beständig. Klebebänder aus Glasgewebe, auch PTFE-beschichtet, sogar bis +260 °C. Eine noch höhere thermische Beständigkeit bieten Keramikgewebe-Bänder mit bis zu +1.100 °C – jedoch sind diese ohne Klebeschicht ausgestattet.

Industrieklebebänder mit metallischem Trägermaterial

Industrieklebebänder aus Metall zeichnen sich durch eine gute elektrische und thermische Leitfähigkeit, Abschirmung von Feuchtigkeit, geringe Entflammbarkeit und hervorragende Dichteigenschaften aus.

Klebeband aus Aluminium Glasgewebe-Klebeband - PTFE-beschichtet

Welche Klebstoffe kommen in Industrieklebebändern zum Einsatz

Als Klebstoff werden Einkomponentenkleber wie Acrylatkleber, Kautschukkleber, Silikonkleber, Hotmelt-Kleber, Butylkleber oder Pflanzenleim verwendet.

Klebebänder mit Acrylatklebstoffen

Man unterscheidet Acrylatklebstoffe auf Lösungsmittel- und Wasserbasis.

Bei lösemittelhaltigen Klebern härtet der Klebstoff nach dem Verdunsten des Lösungsmittels aus. Der Vorteil von diesen Klebstoffen liegt in ihrer Festigkeit, Zähigkeit und Haltbarkeit mit zunehmender Zeitdauer. Aufgrund der Lösungsmittel gelten sie als umweltschädlich.

Bei den vergleichsweise günstigeren Acrylatklebstoffen auf Wasserbasis, auch Emulsions- oder Dispersionsklebstoffe genannt, liegen die Klebstoffteilchen fein verteilt in Wasser vor. Wenn das Wasser verdunstet, verbinden sich die einzelnen Klebstoffteilchen miteinander und bilden einen Klebstofffilm. Vorteile von Acrylatklebstoffen sind die hohe Temperatur- und Alterungsbeständigkeit und Stabilität gegenüber UV-Strahlung und Oxidation. Ein Nachteil liegt in der geringen Anfangsklebekraft: die Klebekraft nimmt mit der Zeit zu.

Bänder mit Kautschuk-Klebstoffen

Klebebänder mit dem Klebmittel Kautschuk wurden bereits 1890 von dem Apotheker Paul Carl  Beiersdorf (1836 – 1896) entwickelt. Als Wundpflaster entwickelt, klebte es hervorragend, reizte aber die Haut. Unter dem Namen „Cito Sport-Heftpflaster“ kam es 1896 als technisches Klebeband zum Flicken von Fahrradreifen auf den Markt.

Industrieklebebänder auf der Basis von Naturkautschuk verfügen über eine gute Soforthaftung mit guter Klebkraft und lassen sich in der Regel ohne Rückstände ablösen. Für den Außeneinsatz sind sie nicht geeignet, da sie wenig UV-stabil sind, unterhalb von +10 °C verspröden und oberhalb von +50 °C erweichen. Durch den Zusatz von Harzen kann die Temperaturbeständigkeit verbessert werden.

Silikonklebstoffe und andere

Silikonklebebänder zeichnen sich durch eine gute Temperatur-, Alterungsbeständigkeit und Langzeit-Klebekraft aus. Sie haften sehr gut auf Materialien mit antiadhäsiver Oberfläche wie PE, PP, Silikonkautschuk oder Silikonschaumstoffen.

Hotmelt ist ein Kleber auf der Basis von synthetischem Kautschuk. Das Kautschuk-Granulat wird geschmolzen und bei einer Temperatur von etwa +90 °C auf das Trägermaterial aufgebracht. Hotmelt-Klebebänder sind lösungsmittelfrei, besitzen eine gute Anfangshaftung und Klebekraft, lassen sich rückstandsfrei ablösen, sind jedoch nur bedingt temperatur-, alterungs- und UV-beständig.

Schaum-Klebeband aus PE - doppelseitig klebend Schaum-Klebeband aus Silikon

Bei Butylklebebändern, auch einfach Butylbänder genannt, handelt es um den Klebstoff Butylkautschuk, der meistens auf eine Aluminiumverbundfolie als Trägermaterial aufgebracht ist. Diese Industrieklebebänder besitzen eine hohe Anfangsklebekraft, sind witterungs- und alterungsbeständig, halten Temperaturen von -40 °C bis +90 °C stand und haften auf vielen im Baubereich verwendeten Materialien wie Glas, Kunststoff, Beton, Holz, Stahl oder Aluminium.

Pflanzenleim als Klebstoff wird hauptsächlich auf Papierklebebändern zum Verschließen von Kartonagen verwendet. Der Kleber wird durch Anfeuchten aktiviert und sorgt für eine sichere Verbindung von Klebeband und Karton. Mit Pflanzenleim beschichtete Industrieklebebänder können nicht rückstandsfrei entfernt werden. Der Vorteil dieser Nassklebebänder ist, dass sie auch auf staubigen Oberflächen kleben.

Anwendungsbeispiele von Industrieklebebändern

Aufgrund der vielfältigen Kombinationen von Trägermaterialien und Klebemitteln gibt es für nahezu jede Anwendung in der Industrie ein geeignetes Klebeband.

In der Automobilbranche werden Acrylatschaumklebebänder bei der Montage von Karosserieanbauteilen, Zierleisten, Embleme, Antennen oder Dachhimmel eingesetzt. Auch als Abdeckung bei der Lackierung sind Industrieklebebänder unverzichtbar. Sie dämpfen Vibrationen und Geräusche und verringern das Gewicht, indem sie Schrauben und Nieten ersetzen.

Auch in die Bauindustrie haben Industrieklebebänder Einzug gehalten. Mit ihrer Hilfe werden Außenwandverkleidungen angebracht, Dampfsperrfolien und Dachbahnen verklebt. Aluminium-Klebebänder finden Anwendung im Kamin- und Ofenbau als Schutz vor Feuchtigkeit und dem unerwünschten Austreten von Abluft. In Heizungs- und Lüftungsanlagen werden sie zum Abdichten und Verbinden von Rohren eingesetzt. Butylklebebänder werden zum sicheren und dauerhaften Abdichten von Dachanschlüssen, Nähten und Stößen im Dach-, Fassaden-, Metall- und Fensterbau eingesetzt.

Doppelseitige Klebebänder werden häufig beim Verlegen von Teppichböden genutzt. Im Möbelbau werden Klebebänder zur Befestigung von Leisten und Dekorelementen, zum Spleißen von Rückwänden und zum Schutz während des Transportes von Möbeln verwendet. In der Verpackungsindustrie kommen oft Bänder mit aufgedrucktem Firmenlogo zum Einsatz.

Klebebänder aus verschiedenen Trägermaterialien, teilweise farbig bedruckt
Klebebänder aus verschiedenen Trägermaterialien, teilweise farbig bedruckt

Ebenso sind Industrieklebebänder in der Elektroindustrie nicht mehr wegzudenken. Neben der Isolierung von Kabeln und Drähten werden sie auch bei der Fixierung, Bündelung und Kennzeichnung von Leitungen eingesetzt. In Mobiltelefonen wird der Bildschirm mit transparenten Klebebändern verklebt, wärmeleitende Industrieklebebänder leiten die Wärme ab und schützen elektronische Bauteile vor Überhitzung. Schaumklebebänder federn den Schlag ab, wenn das Gerät zu Boden fällt.

Bei der Auswahl eines geeigneten Industrieklebebandes sollten folgende Aspekte beachtet werden: soll die Klebeverbindung permanent oder temporär sein? Ist das Selbstklebeband Wärme, Kälte, Temperaturschwankungen, Feuchtigkeit oder UV-Strahlung ausgesetzt? Soll das Klebeband sofort haften, damit es nicht mehr verrutschen kann? Ist eine Beständigkeit gegenüber Chemikalien, Weichmacher oder mechanische Belastung erforderlich? Wie ist die zu beklebende Oberfläche beschaffen: glatt, rau oder porös? Aus der Vielzahl verschiedener Klebebänder lässt sich für jede Anwendung ein geeignetes Klebeband finden.

Bild-Quellen: 
Beitragsbild | © luchschenF – stock.adobe.com
Handelsübliches Gewebe-Klebeband | © Björn Wylezich – stock.adobe.com
Klebebänder aus verschiedenen Trägermaterialien | © Nomad_Soul – stock.adobe.com

Über Dr. Stefanie Schiestel

Stefanie Schiestel hat an den Universitäten Saarbrücken und Heidelberg Chemie studiert und an der Universität Heidelberg promoviert. Anschließend hat sie sieben Jahre am Naval Research Institute in Washington D.C. gearbeitet und ist seitdem in den Bereichen Beschichtung und Analytik tätig. Seit 2021 hat sie für das Online-Magazin der Reichelt Chemietechnik mehr als 50 Beiträge verfasst.