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Was zeichnet UL-zertifizierte Schläuche aus?

Die Sicherheit des Verbrauchers steht bei vielen Zertifizierungen und Zulassungen an erster Stelle. In Hinblick auf Produktsicherheit und im Speziellen Brandschutz ist die Underwriters Laboratories Inc. (UL) seit Ende des 19. Jahrhunderts ein Vorreiter und bis heute eine weltweit anerkannte Institution. Auch für die Schlauchtechnik hat das Unternehmen inzwischen Bedeutung erlangt.

Was bedeutet eigentlich Produktsicherheit?

In Deutschland ist die Durchsetzung der Produktsicherheit gesetzlich im Produktsicherheitsgesetz (ProdSG) geregelt, das 2011 das Geräte- und Produktsicherheitsgesetz ablöste. Das ProdSG basiert auf EG-Normen (EG = Europäische Gemeinschaft) und betrifft alle Produkte, die im Rahmen einer Geschäftstätigkeit bereitgestellt, ausgestellt oder erstmals verwendet werden.

Gemäß dem Produktsicherheitsgesetz ist ein Produkt sicher, wenn bei zweckmäßiger Verwendung keine oder nur eine geringe Gefahr für den Verbraucher besteht.

Die Underwriters Laboratories Inc.

Gegründet wurden die Underwriters Laboratories Inc. bereits vor über 120 Jahren, im Jahr 1894, durch den Elektroingenieur William Henry Merrill (1868 – 1923) in den USA. Als unabhängiges, nicht-gewinnorientiertes Unternehmen wurden Standards und Testverfahren entwickelt. Die ersten Produkte, mit denen sich das Unternehmen beschäftigte, stammten aus der Kategorie Brandschutz und Elektrosicherheit.

Abgebrannter gruener Mikrochip nach Kurzschluss durch Wasserschaden
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In den USA ist die Occupational Safety and Health Administration (OSHA) verantwortlich für die Zulassung von Prüfinstituten, die sich anschließend offiziell „Nationally Recognized Testing Laboratories“ (NRTL) nennen dürfen; hierbei verbirgt sich hinter den Underwriters Laboratories UL wohl das NRTL, das die höchste Anerkennung in den USA genießt. In Kanada wird die Produktsicherheit durch die Canadian Standards Association (CSA) getestet und zertifiziert; jedoch vergeben sowohl UL als auch CSA Kennzeichen, die die Sicherheitsbestimmungen der USA und Kanada gleichermaßen erfüllen und somit für beide Länder gültig sind.

Heute hat das Unternehmen weltweite Bedeutung erlangt und ist in 104 Ländern vertreten. Auch das Portfolio hat sich deutlich vergrößert.

So ist UL heute auch in Bereichen wie Nachhaltigkeit, Gefahrstoffe, Wasserqualität oder Nahrungsmittelsicherheit tätig.

Laut UL unterteilt sich das Unternehmen in fünf Hauptsgeschäftsfelder: Product Safety (Produktsicherheit), Environment (Umwelt), Life & Health (Leben und Gesundheit), Knowledge Services (wissensbasierte Dienstleistungen) und Verification Services (Dienstleistung im Bereich Verifikation). Weltweit werden jedes Jahr ungefähr 20 Milliarden Produkte mit UL-Sicherheitsprüfzeichen ausgestattet.

Besonders wenn bestimmte Produkte in den USA oder Kanada vertrieben werden sollen, ist ein UL-Kennzeichen notwendig, da es für die Einhaltung der Sicherheitsbestimmungen der beiden Länder steht.

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Auch in Deutschland ist UL mit vier Geschäftsstellen vertreten und die Niederlassung Neu-Isenburg bei Frankfurt fungiert als Zentrale für Europa und Lateinamerika. Auch wenn in Deutschland eine UL-Zertifizierung nicht vorgeschrieben ist, stellt sie doch ein wichtiges Sicherheitsmerkmal dar und kann einen Marketingvorteil für ein Unternehmen sein, das solch eine Zulassung erwirkt hat.

Wie erhalte ich eine UL-Zertifizierung?

Eine UL-Listung ist kostenpflichtig. Um sie zu erhalten, wird getestet, ob die durch UL vorgegebenen und teilweise selbst verfassten Standards eingehalten werden. Im Nachgang wird regelmäßig durch unangekündigte Audits überprüft, ob die Übereinstimmung mit den Sicherheitsbestimmungen weiterhin gegeben ist. Bei Änderung des Produktes oder des Designs ist immer eine erneute Prüfung vorgeschrieben. Es gibt verschiedene Prüfzeichen von Underwriters Laboratories Inc.. Die am häufigsten verwendeten sind das UL Listed Prüfzeichen, das UL Recognised Component Prüfzeichen und das UL Klassifizierungskennzeichen.

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1. Das UL Listed Prüfzeichen

Durch dieses Prüfzeichen wird bestätigt, dass eine repräsentative Probe getestet wurde und mit den Sicherheitsnormen von UL übereinstimmt. Es wird an verschiedenste Produkte vergeben. Beispielsweise ist es auf Kleinelektrogeräten oder Sicherheitsartikeln wie Rauchmelder oder kugelsicheren Gläsern zu finden.

2. Das UL Recognised Component Prüfzeichen

Dieses Prüfzeichen wird nicht für ganze Geräte vergeben, sondern für einzelne Komponenten. Ein so zertifiziertes Teil kann in oder zusammen mit UL Listed-zertifizierten Geräten verwendet werden. Es findet zum Beispiel bei Sicherungen oder Steuereinheiten Verwendung.

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3. Das UL Klassifizierungskennzeichen

Mit dieser Kennzeichnung werden Produkte zertifiziert, bei denen Risiken ausgeschlossen werden sollen und bei denen das Funktionieren unter bestimmten Bedingungen sichergestellt sein muss. Es wird z. B. bei Industriegeräten oder Feuertüren verwendet.

Was zeichnet UL-Schläuche aus Kunststoff aus?

In der Regel wird das UL Recognised Component Prüfzeichen für UL-Schläuche aus Kunststoff vergeben, da sie normalerweise nur in Zusammenhang mit einem Gerät oder System Einsatz finden. Dabei wird das verwendete Material bzw. ein Prüfstab des Materials und nicht der fertige Schlauch geprüft, um vergleichbare Testbedingungen zu gewährleisten. Durch die Verwendung von UL-zertifizierten Ausgangsmaterialen, kann die UL-Zertifizierung des fertigen Gerätes beschleunigt werden, da zusätzliche Tests für die verwendeten Materialien entfallen.

Bei Kunststoffschläuchen wird in erster Linie die Entflammbarkeit durch die UL getestet und zertifiziert. Der wichtigste Standard ist UL 94 – Tests for Flammability of Plastic Materials for Parts in Devices and Appliances (dt.: Tests auf Entflammbarkeit für Teile von Geräten und Vorrichtungen).

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Da die Entflammbarkeit vor allem bei Isolierschläuchen von Stromkabeln wichtig ist, sind diese in der Regel UL-zertifiziert. Aber auch Chemikalien- oder Abluftschläuche und ihre Materialien sind teilweise UL-gelistet.

  • Der Standard UL 94

Der Inhalt des Standards UL 94 wurde auch in die Normen IEC/DIN EN 60695-11-10 und -20 übertragen. Es wird zwischen UL 94 HB (Horizontalbrennprüfung) und UL 94 VB (Vertikalbrennprüfung) unterschieden. HB bedeutet, dass der Prüfkörper (Abmessungen 125 × 13 × S mm³, S = Dicke, möglichst klein in Hinblick auf die vorgesehene Anwendung) für den Entflammbarkeitstest horizontal eingespannt wird. Häufiger wird jedoch eine vertikale Prüfanordung VB von UL vorgeschrieben, weshalb wir auf diesen Test genauer eingehen möchten. Bei der Prüfung wird das untere Ende zwei Mal 10 Sekunden mit Hilfe eines Bunsenbrenners beflammt und anschließend gemäß der folgenden Tabelle in eine Klasse eingeteilt. Die Versuchsanordnung, z. B. die Flammeneigenschaften des Bunsenbrenners sind hierbei exakt vorgegeben.

Tabelle mit Einteilung der unterschiedlichen UL 94-Klassen.[1]

Klasse max. Nachbrennzeit beider Beflammungen [s] max. Nachbrennzeit aller Muster zusammen [s] max. Nachglühzeit [s] Abtropfen von brennendem Material
94 V-0 10 50 30 nicht zulässig
94 V-1 30 250 60 nicht zulässig
94 V-2 30 250 60 zulässig

Teilweise werden auch andere UL Standards wie der UL 224 oder UL 1581 bei UL-Schläuchen genannt. In der Regel sind hierin Vertikalbrennprüfungen ähnlich der von UL 94 vorgeschrieben.

  • Die UL Yellow Card

Bei Kunststoffen legt UL eine Yellow Card an, in der die wichtigsten Testergebnisse und die UL-Klassifizierung zu finden sind.

Die Yellow Card kann öffentlich in den Datenbanken von UL unter http://iq.ul.com/plastics/ oder https://www.ulprospector.com/en/eu (Stand: 31.07.2018) eingesehen werden. Für den Anwender stellt dies eine Garantie dafür dar, dass die Sicherheit des Materials getestet wurde und es weiterhin regelmäßigen Kontrollen unterzogen wird.

In der Yellow Card können neben der Entflammbarkeit nach UL 94 folgende Eigenschaften aufgeführt werden:[2]

  • Entzündungs- und Brenneigenschaften von thermischen und elektrischen Quellen
  • Elektrische, physikalische und mechanische Eigenschaften
  • Die Wirkung der Exposition auf erhöhte Temperaturen, Kälte, Wasser, UV-Strahlung, chemische Flüssigkeiten usw.

Zusätzlich können in die Yellow Card weitere wichtige Zertifikate aufgenommen werden, z. B. die Konformität mit RoHS-Richtlinien, wodurch die Materialauswahl für den Anwender zusätzlich erleichtert wird.

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Fazit – UL-Zertifikation für Schläuche nur in wenigen Fällen ein Muss

Eine UL-Zertifikation für Schläuche ist in vielen Fällen eher uninteressant für den Anwender. Ausnahmen stellen Schläuche dar, deren Einsatzgebiet ein gewisses Brandrisiko mitbringt oder bei denen die Entzündung wegen der transportierten Gase oder Flüssigkeiten eine besondere Gefahr darstellt. In diese Kategorie fallen beispielsweise Abluftschläuche oder Schläuche zur Förderung von Lösemitteln. Auch wenn eine UL-Zertifikation in Deutschland nicht gesetzlich vorgeschrieben ist, kann die Listung der verschiedenen Kunststoffe in den Yellow Cards ein äußerst hilfreiches Auswahlwerkzeug für Hersteller von Industrieschläuchen darstellen.

Quellen:
[1] Brandverhalten nach UL, Koch Kabel AG, 2018
[2] UL Yellow Card for Plastics, UL LLC, 2018

Über Dr. Karl-Heinz Heise

Dr. Karl-Heinz Heise studierte an der Martin-Luther Universität Halle-Wittenberg Chemie und der vormaligen Technischen Hochschule Dresden Radiochemie und Chemische Kerntechnik. Danach war er bis zur politischen Wende 1989 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentralinstitut für Kernforschung Rossendorf (ZfK) der Akademie der Wissenschaften in verschiedenen Bereichen der Isotopenproduktion und Markierungschemie tätig. 1990 wurde er im neu gegründeten Leibnitz-Forschungszentrum Dresden - Rossendorf, dem heutigen Helmholtz-Zentrum, mit der Leitung der Abteilung für Organische Tracerchemie des Instituts für Radiochemie betraut, die sich mit umweltchemischen Prozessen in den Hinterlassenschaften des Uranbergbaus der DDR befasste. Dr. Heise ist begeisterter Hobby-Numismatiker und beschäftigt sich dabei vornehmlich mit der höfischen Medaillenkunst des 19. Jahrhunderts in Sachsen.