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Das Luer/Lock-System zum Verbinden von Mikroschläuchen

Wer schon einmal länger in einem Krankenhaus behandelt wurde, ist sicherlich mit dem Luer/Lock-System in Kontakt gekommen – zum Beispiel bei einer Infusion oder einer Medikamentengabe mittels Spritze. Das System spielt insbesondere in der Medizintechnik eine große Rolle, da es einfach anzuwenden ist und eine Reihe von Vorteilen bietet. Aus diesen Gründen ist es weltweit verbreitet.

Aber auch für andere Anwendungen ist es geeignet, z.B. für den Anschluss oder Verschluss von Mikroschläuchen im Labor.

Was sind Luer/Lock-Verbinder?

Das Luer-System wurde von dem deutschen Instrumentenmacher Hermann Wülfing Luer (1836 – 1910) entwickelt und ist prinzipiell in zwei Varianten erhältlich: als Luer/Lock-System mit einer zusätzlichen Drehsicherung oder als Luer/Slip-System ohne diese. Beide Modifikationen sind von der Firma Becton Dickinson registrierte Marken und damit geschützt.

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Das Luer-System ist mit dem Schliffsystem in der Chemie, bestehend aus Schliffstopfen und Schliffhülse, vergleichbar. Auch hier gibt es zwei zusammengehörende Teile, die zu einer geschlossenen Verbindung kombiniert werden können. Damit diese anschließend auch dicht ist, verfügt ein Teil über eine kegelförmige Konstruktion, den sogenannten Luer-Konus. Zur Unterscheidung der beiden Anschlüsse werden diese in männlich und weiblich, beziehungsweise in male und female oder m und f eingeteilt. Der Innenkegel ist dabei der weibliche und der Außenkegel der männliche Teil.

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Wenn der männliche Kegel zusätzlich noch über ein Drehgewinde verfügt, spricht man vom Luer/Lock-Verschluss, da hier die Dichtung durch Drehen der Verbindung fixiert werden kann. Ist kein Schraubgewinde vorhanden, handelt es sich um die Luer/Slip-Variante. Diese wird auch als Luer/Steck oder Luer/Ansatz bezeichnet.

Im Gegensatz zum Schliffsystem in der Chemie gibt es für das Luer-System nur eine Größe, die zusätzlich genormt ist (DIN EN 80369-7).

Dies bietet den Vorteil, dass alle Bauteile miteinander kompatibel sind, dank der großen Verbreitung auch über die Ländergrenzen hinweg. Somit lässt sich das System einfach und sicher überall anwenden.

Von der Kanüle im Krankenhaus zum Mikroschlauch im Labor

Insbesondere für die Anwendung im medizinischen Bereich ist dieses System sehr wichtig. Aufgrund der zahlreichen unterschiedlichen Teile, die über Mikroschläuche verbunden werden können, ist eine hohe Variation gegeben und damit eine Vielzahl von Anwendungen möglich. So werden beispielsweise Katheter und Infusionen, aber auch Kanülen und Spritzen mit diesem System angewandt. Durch die Nutzung von Dreiwegehähnen lassen sich auch komplexere Aufbauten realisieren, um der jeweiligen Problemstellung gerecht werden zu können. Da das System genormt ist, können alle Teile beliebig miteinander kombiniert werden, auch wenn diese aus unterschiedlichen Ländern kommen. Dies spielt eine große Rolle bei internationalen Hilfseinsätzen, bei denen medizinische Versorgung benötigt wird. Hier können die Helfer Teile aus unterschiedlichen Vorräten kombinieren und damit schnell erste Hilfe leisten.

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Neben der medizinischen Anwendung lässt sich das Luer/Lock-System natürlich auch anderweitig verwenden. Für Anlagen im Labor, die im Kleinstmaßstab aufgebaut und durchgeführt werden, bieten Mikroschläuche und Kanülen eine gute Möglichkeit, kleine Volumina optimal zu handhaben. Auch für die Mikrofiltration und die Gasanalyse lassen sich diese Verbinder anwenden, da durch die Verwendung von Schläuchen und Kanülen ein sicherer Transport von Probenmaterial möglich ist. Einen großen Vorteil für derartige Anwendungen bieten die Luer/Lock-Verbinder, da es durch die Möglichkeit der Arretierung auch bei Transport oder mechanischer Belastung sicher ist.

Wasserfiltration
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Ein einfacher Verschluss, bei dem es dennoch einiges zu beachten gilt

Das Luer-System verfügt über viele Vorteile, aber auch über einige Dinge, die man beachten muss, um eine Sicherung Anwendung zu gewährleisten.

Wie bereits erwähnt, ist einer der großen Vorteile die Normung und die Tatsache, dass es nur eine Größe gibt und alle Teile untereinander kompatibel sind. Da sich dieses System auch weltweit durchgesetzt hat, ist es damit universal anwendbar und einfach zu nutzen – einfach zusammenstecken und fertig. Das Luer/Lock-System bietet zudem noch den weiteren Vorteil, dass die Verbindung durch eine halbe Umdrehung fixiert werden kann und damit auch bei Belastung sicher hält. Auch wird keinerlei Werkzeug für den Zusammenbau benötigt; alle Teile lassen sich einfach per Hand zusammenfügen und gegebenenfalls sichern.

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Natürlich müssen hier, wie bei jeder anderen Anwendung auch, bestimmte Dinge beachtet werden, um Fehlbedienungen zu vermeiden, die vor allem im Medizinbereich unvorhersehbare Auswirkungen haben können. Da sämtliche Bauteile untereinander kompatibel sind, kann es leicht zu einer Verwechslung kommen. So gibt es beispielsweise unterschiedliche Verbindungen für die Anwendung für die Atemwege, Venen und Arterien oder als Ernährungssonde. Durch Unaufmerksamkeit kann es schnell passieren, dass ein Medikament falsch verabreicht wird, weil die falsche Verbindung genutzt wurde.

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Insbesondere beim Luer/Lock-Verschluss muss darauf geachtet werden, dass das Gewinde in einwandfreiem Zustand ist. Durch Abnutzung oder Fertigungsfehler kann es dazu kommen, dass der Verschluss nicht sicher schließt und es zu einer spontanen Öffnung kommt. Wie man sich leicht vorstellen kann, kann dies bei einer laufenden Infusion zu schwerwiegenden Folgen führen. Da diese Verbindungen weiterhin nur per Hand zugeschraubt werden, können sie natürlich auch ebenso leicht wieder per Hand von jeder Person gelöst werden. Eine regelmäßige Kontrolle ist damit unerlässlich.

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Die Problematik von undichten beziehungsweise defekten Verschlüssen ist auch bei anderen Anwendungen zu beachten. In der chemischen Analytik können dadurch Verunreinigungen in die Mikroschläuche und damit in das System gelangen, die das Ergebnis verfälschen können. Beim Transport von Chemikalien kann es zu Undichtigkeiten und damit Gefährdung von Mensch und Umwelt kommen.

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Behält man diese Dinge allerdings im Hinterkopf, hat man mit dem Luer-System ein einfaches und vielseitiges System für die unterschiedlichsten Anwendungen.

Der ideale Verbinder für jede Anwendung

Das Luer-System besticht durch seine Vielseitigkeit und einfache Anwendung. Ob als Luer/Slip mit einfacher Steckverbindung, oder als Luer/Lock-Verschluss mit zusätzlicher Sicherung – medizinische, technische oder chemische Anwendungen lassen sich damit einfach und sicher realisieren, egal, ob es das Legen einer Infusion oder das Verbinden von Mikroschläuchen ist.

Durch eine gewissenhafte Anwendung lassen sich auch die möglichen Gefahrenquellen einfach beseitigen und bieten damit einen sorgenfreien Einsatz.